WFC2012

Hintergrundbericht

Deutschland mit historischem Erfolg

Deutschland war das Überraschungsteam dieser WM. Mit der Halbfinalqualifikation durchbrachen die Mannen um den Schweizer Trainer Philippe Soutter die zehn Jahre andauernde Dominanz der Top-4-Nationen.

Dominic Mucha (GER) im Zweikampf mit Manuel Engel (SUI)
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Dominic Mucha (GER) im Zweikampf mit Manuel Engel (SUI)

© Thomas Baumann

Mit dem 4:3-Erfolg über Russland sicherte sich Deutschland im dritten Gruppenspiel die Viertelfinalqualifikation. Das überraschte, doch dann besiegte die Soutter-Truppe auch noch Lettland: die Sensation war perfekt, und ein historisches deutsches Floorball-Kapitel geschrieben. „Das war absolut unerwartet für uns“, erklärt der Schweizer Trainer Philippe Soutter. Nach der 0:13-Halbfinalniederlage gegen Schweden sagte Stürmer Manuel Mucha: „Für uns war schon das Halbfinal eine Zugabe.“ Vor der WM lautete das hoch gesteckte Ziel: Viertelfinal. Mit dem vierten Rang durchbrach Deutschland die zehn Jahre andauernde Dominanz an der Spitze des internationalen Unihockeys. Auf Rechnung von Tschechien, das die Top-4 an der WM in der Schweiz verpasste.

Erfolg auch dank Losglück

Das deutsche Team wird seit 2011 vom Schweizer Trainerfuchs Philippe Soutter geführt. Seine Equipe lebt von schwedischen und Schweizer Söldnern: die Gebrüder Holtz und die Mucha-Zwillinge sind das Herz der Mannschaft. Insgesamt spielen neun Akteure entweder in Schweden oder der Schweiz. So auch Captain Philipp Hühler, der in der Schweiz bei Waldkirch St. Gallen unter Vertrag steht. Der 25-Jährige sagte nach dem 0:8 im Bronzespiel gegen die Schweiz: „Wir waren physisch und mental am Anschlag, trotzdem sind wir alle glücklich.“

Bis anhin war die beste Klassierung einer deutschen Mannschaft an einer WM ein achter Platz (1996, 1998, 2002 und 2004). Deshalb ist der Exploit der deutschen Nationalmannschaft ein historischer Erfolg. Hühler wie auch der Star der Mannschaft, Frederik Holtz, der in der schwedischen Liga bei Storvreta IBK spielt, waren sich einig: „Dieser Erfolg wurde auch dank Losglück möglich.“ Dennoch: das deutsche Team überzeugte als Team und gab im Kollektiv bis am Ende alles. Soutter rühmt sein Team zudem als lernbereit, dankbar und leicht zu führen.

Hoffen auf den Boom

Und jetzt? Alle hoffen nun auf einen Boom von Floorball (seit 2009 wird in Deutschland offiziell diese Bezeichnung anstelle von Unihockey verwendet). „Ich hoffe, dass diese Leistung wegweisenden Charakter hat für die Entwicklung des Floorballs in Deutschland“, so Captain Hühler. Holtz sagte: „Ich hoffe, dass viele gesehen haben, was wir geleistet haben und was in dieser Sportart möglich ist. Das wird hoffentlich viele dazu animieren, mit Floorball zu beginnen.“

Um nachhaltig Erfolge feiern zu können, muss laut Holtz aber erst die nationale Liga besser werden: „Die Spieler müssen mehr Spiele auf hohem Niveau absolvieren können.“ Um dies bewerkstelligen zu können, müssen auch die Zahlen der Lizenzierten steigen und mehr Geld zur Verfügung stehen. Jedes Mitglied der deutschen Nationalmannschaft berappte das WM-Abenteuer aus der eigenen Tasche. Derzeit gibt es knapp 10'000 Lizenzierte in Deutschland, was angesichts der Grösse und des vorhandenen Potentials in Deutschland wenig ist. Trotz gemischten Zukunftsaussichten für Floorball in Deutschland sagt Headcoach Soutter aber: „Wenn in Deutschland so weitergearbeitet wird, sind wir in zehn Jahren vor der Schweiz!“